Berlin 24.02.2026 Die oft unfachmännische Verlegung von Glasfaserleitungen durch Breitbandfirmen in Brandenburg führt zu steigenden Schäden und Versorgungsrisikenim Gasnetz, zumal die bei unsachgemäß ausgeführten Bauarbeiten entstandenen Schäden nicht immer offensichtlich sind. In einem der jüngsten Fälle hatte die mit dem Glasfaserausbau beauftragte Firma den durch sie verursachten Gasaustritt sogar zu verschleiern versucht, indem sie das in der Leitung entstandene Loch mit Panzertape abdichtete. „Ein solches Verhalten ist nicht nur unprofessionell, sondern vor allem unverantwortlich“, betont Maik Wortmeier, Vorsitzender der NBB-Geschäftsführung. Da die NBB das Gasnetz rund um die Uhr digital und physisch überwacht, konnte der Schaden schnell entdeckt und behoben werden. Inzwischen hat die NBB juristische Schritte gegen die Verursacherfirmen eingeleitet.
Eine Statistik der NBB Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg mbH & Co. KG zeigt auf, dass vor allem Baggerschäden und Havarien am Gasnetz durch den Einsatz von Erdraketen beim Breitbandausbau Energieversorgern wie der NBB Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg anhaltend Probleme bereiten. Im vergangenen Jahr sind der NBB im gesamten Netzgebiet (Berlin, Brandenburg sowie Teile von Sachsen und Sachsen-Anhalt) Schäden von mehr als 875.000 € Euro entstanden.
Konkret kam es durch Tiefbauarbeiten von Firmen, aber auch Privatpersonen im Jahr 2025 zu insgesamt 242 Rohrleitungsschäden. Häufigste Auslöser sind Baggerzugriffe, die in den NBB-Netzen in Berlin und in der Region jeweils über 135 Mal zu Störungen geführt haben und Kosten von gut 450.000 Euro verursachten. Mit 33 Vorfällen im vergangenen Jahr sind sogenannte Erdraketen, die vor allem in der Region beim Breitbandausbau verwendet werden, zweithäufigste Ursache für kostenintensive Schäden am Gasnetz. Die dadurch entstandenen Kosten beliefen sich 2025 in der Summe auf über 162.000 Euro. In der Vergangenheit haben derartige Schäden nicht selten zu Ausfällen in der Energieversorgung geführt. Weitere Gründe, die zu Störungen in der Gasnetzinfrastruktur führen, sind Schacht- und Abrissarbeiten sowie der unsachgemäße Einsatz von handgeführten Werkzeugen wie Bohrhammer oder Trennschleifer.
Insbesondere Erdraketen finden immer häufiger bei Tiefbauarbeiten Verwendung, weil sie effektiv sind und die Vegetation schonen, da zur Leitungsverlegung keine kompletten Baugräben mehr ausgehoben werden müssen. Von der Startgrube ausgehend wird die Erdrakete – offiziell „pneumatisch betriebener Verdrängungshammer“ – bis zu 15 Meter durch das Erdreich getrieben, so dass eine Röhre entsteht, in die Leitungen in einem Arbeitsgang mit eingezogen werden. Besteht vor dem Einsatz von Erdraketen keine ausreichende Kenntnis über die Lage vorhandener Infrastrukturleitungen im Erdreich oder werden die Arbeiten von unzureichend qualifiziertem Personal durchgeführt, kommt es oftmals zu Schäden, die mit sehr hohem Aufwand repariert werden müssen.
Wer Tiefbaumaßnahmen plant oder durchführt, ist gesetzlich dazu verpflichtet, sich vorab bei den Netz- und Infrastrukturbetreibern vor Ort über mögliche Leitungsverläufe im Baugrund zu informieren. Planungsbüros und beauftragten Bauunternehmen entsteht ansonsten eine Schadensersatzpflicht gegenüber den betroffenen Netzbetreibern.
Aus der Statistik der NBB Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg aber geht hervor, dass nicht einmal die Hälfte der Schadensverursacher aus dem vergangenen Jahr vor Beginn der Bauarbeiten dieser Pflicht nachgekommen ist, obwohl diese Informationen sehr leicht und für das Netzgebiet der NBB sogar kostenfrei über das Portal Leico – Leitungs-check-online (Leitungs-check-online) einzuholen sind.
Über dieses Portal der NBB-Tochter infrest - Infrastruktur eStrasse ist es möglich, schon bei der Planung und vor Beginn von Tiefbauarbeiten Informationen über mögliche Trassenverläufe bei mehr als 18.600 im Portal hinterlegten Netz- und Infrastrukturbetreibern deutschlandweit einzuholen.
Um vorzubeugen und Schäden vom Gasnetz abzuwenden, weist die NBB bei größeren Projekten im Breitband-Ausbau die ausführenden Unternehmen sogar am Einsatzort ein – allerdings nur, wenn diese sich bei der Netzgesellschaft melden. „Als Betreiberin von Kritischer Infrastruktur haben wir wie andere Versorger auch ein ureigenes Interesse daran, unser Netz stabil, zuverlässig zu betreiben und vor Schäden jeglicher Art zu schützen“, sagt Daniel Richter, Leiter Betriebsführung bei der NBB.
Die Erfahrungen der NBB von 2025 decken sich mit den Erhebungen im jüngsten Bauschadensbericht der VHV-Versicherungen (2024/2025). Dem Bericht zufolge hat sich der Anteil beschädigter Gasleitungen an allen Schäden im Tiefbaubereich zwischen 2015 und 2023 deutlich erhöht. „Die Häufigkeit von Leitungsschäden lässt sich vor allem mit der stetig steigenden Verdichtung der Leitungsinfrastruktur im Baugrund erklären“, schreiben die Autoren im Bericht. Die unsachgemäße Bedienung von Baggermaschinen sei noch immer die führende Ursache bei Tiefbauschäden. Erschwerend komme hinzu, heißt es im Bericht, dass vor den Tiefbaumaßnahmen teilweise keine Leitungsauskunft eingeholt wird.
Zur Sicherheit unserer Kundinnen und Kunden ist dem an sich geruchslosen Erdgas ein intensiver Warnstoff beigemischt worden, bei dessen Wahrnehmung umgehend die rund um die Uhr besetzte Entstörungshotline der NBB kontaktiert werden kann.